(1) Kuzaj,H - Elsing,J [D02]
Friesenpokal Berlin, 16.10.2009
[Elsing]



1.d4 d5 2.Sf3 c6 3.Lf4 Db6
Ich muss zugeben, dass ich mich 8 Tage vor der Partie mit der Sichtung von Helmuts Partien in Chessbase beschaeftigt hatte und dann dieses recht seltene Abspiel gegen sein 2.Sf3 auswaehlte, aber dann sank meine Lust einer tiefen Vorbereitung schnell wieder, so dass ich 8 Tage spaeter sie schon fast wieder vergessen hatte. Schwarz holt mit dieser Zugfolge in der grossen Datenbank etwa 50%, was mich ueberzeugte, sie auszuwaehlen.

4.Dc1 Lf5 5.e3 Sf6
Und da war meine Vorbereitung zu Ende.

6.Sbd2= Sa6
Zieht ohne Not den Springer an den Rand, einfach symmetrisch entwickeln mit e6 und Sbd7 sieht besser aus, weil die Db6 aktiver steht als die Dc1.

7.c3?!
Sehr passiv. Sb4 war nur eine Scheindrohung, die man einfach ignorieren konnte.

7...Sh5
Konsequent positionell gespielt. Weiss ist mit e3 und c3 passiv geblieben, so dass Schwarz Zeit hat, sich das Laeuferpaar zu sichern.

8.Lg3 Sxg3 9.hxg3 h6?!
Mit dem Springer auf a6 ist das zu langsam. Besser schnell g6 nebst Lg7. [9...g6 10.Sb3 Lg7 11.Dd2 0-0 12.0-0-0 Sc7 13.Le2 a5 ist etwas bequemer fuer Schwarz.]

10.Le2?!
[10.Se5 e6 11.Ld3 Lxd3 12.Sxd3 Ld6 13.Dc2 Weiss steht sehr harmonisch, es muss eher Schwarz aufpassen.]

10...e6 11.Se5 Le7?!
Ld6 ist besser, da L:c5 nebst Sc5 fuer Weiss schnell unbequem sein kann, wenn er Tempi verliert. Ich hingegen spiele viel zu starr auf (hier wertloses) Laeuferpaar.

12.Lh5 g6
[12...Tf8 13.Ld1 Lf6 14.Sdf3 0-0-0 15.Lc2 Schwarz hat gar nichts und muss sogar aufpassen.]

13.Le2!?
interessant, aber nur wenn man bereits etwas im Schilde fuehrt... [13.Lg4 Lxg4 14.Sxg4 h5 15.Se5 Ld6 16.Sdf3 Sb8 17.Dd2 Sd7 18.Sxd7 Kxd7 19.0-0-0 Taf8 20.Kb1 Kc7= ]

13...f6 14.Sd3?!
[14.Sxc6! Dxc6 15.g4 Lxg4 16.Lxg4 Kf7 haelt Rybka fuer etwa ausgeglichen, aber der schwarze Koenig steht bedenklich offen.]

14...g5 15.Lh5+ Kd7 16.Le2
Schwarz hat die weissen Springer eingeschraenkt und das Laeuferpaar behauptet, er muss "nur noch" den Koenig in Sicherheit bringen...

16...c5?!
[16...Tag8 17.Dc2 Kc7 18.g4 Lg6 19.Sb3 e5 20.a3 Kb8 So etwa haette ich spielen sollen fuer leichten Vorteil.]

17.dxc5 Sxc5 18.Sxc5+ Lxc5 19.Sb3
Das hatte ich uebersehen, Weiss erhaelt auf einmal gute Felder fuer seinen Springer und der schwarze Koenig steht in der Mitte.

19...Ld6 20.Sd4= Le4 21.Lg4
[21.Lf3 Lg6 22.Lh5= ]

21...Tae8 22.Le2 a6 23.Kf1?!
Beide uebersehen hier eine gute schwarze Moeglichkeit.

23...Lc5?!
[23...e5 24.Lg4+ Kc7 25.Sf5 Td8 26.Sxd6 Txd6 27.Dd2 d4 28.exd4 exd4 29.Te1 f5 30.Lf3 Kb8=/+ ]

24.Sb3?!
[24.Dd2 Kc7 25.b4 Ld6 26.Ld3= ]

24...Ld6?!
[24...Le7 25.Dd2 Kc7 26.Ld3 Td8 27.Dc2 Lxd3+ 28.Dxd3 e5 29.g4 a5 Mini-Minivorteil Schwarz]

25.Dd2?!
[25.Sd4= ]

25...Ke7?!
Ich verlaufe mich in der Folge, dabei war Kc7 eigentlich einfach. [25...Kc7 26.Td1 Kb8 27.Ld3 f5=/+ ]

26.Td1 Td8 27.f3?!
[27.Ld3= ]

27...Lg6 28.f4 Kf7?!
Das Herumirren geht weiter. Damit verschenke ich eine neue Moeglichkeit auf leichten Vorteil. [28...h5 29.Ld3 Lf7 30.Sd4 Kd7 31.Dc2 e5=/+ ]

29.Ld3 Lc5
Ich war unzufrieden und wollte jetzt nur noch Remis. Doch den Gefallen tut mir Helmut nicht so einfach.

30.Lxg6+ Kxg6 31.Sd4 Lxd4 32.exd4 f5?!
[32...e5 33.dxe5 fxe5= war in Zeitnot zu schwer zu sehen fuer mich. Hier muss dann sogar Weiss kurz aufpassen, sollte aber schnell Remis werden per Dauerschach/Zugwiederholung.]

33.De2 g4?!
Warum nicht gleich Db5, das Endspiel ist dann nahezu ausgeglichen, weil Schwarz bei Bedarf am Koenigsfluegel Linien fuer seine Tuerme oeffnen kann.

34.Te1 The8 35.Th4 Db5
Mit Verzoegerung doch noch, aber in einer schlechteren Abwandlung, da Schwarz nur passiv warten kann, was kommt.

36.Dxb5 axb5 37.a3 Td6 38.Ke2 Tc6 39.Kd3+/=
Weiss kann in aller Ruhe Gewinnversuche unternehmen. Mit noch mehr Bedenkzeit fuer Helmut haette ich wohl grosse Probleme bekommen.

39...Kg7 40.Kc2 Ta6 41.Kb3 Ta4
Schwarz kann das Eindringen des Koenigs verhindern, so das Weiss nur weiterkommt, wenn er mit Bb2-b3 nebst a3-a4 und/oder c3-c4 die schwarze Passivitaet beendet. Den optimalen Moment dafuer zu finden, ist allerdings schwierig. Helmut scheut in der Folge das Risiko und verliert nach und nach auch seinen Zeitvorteil.

42.Thh1 Kg6 43.Te5 Te7 44.The1 Kf6 45.Tc1 Tc7 46.Ka2 Tac4 47.Tce1 Te7 48.T1e3 Tc6 49.Kb3 Tc4 50.Te1 Kf7 51.Ta1 Ta4 52.Th1 Kg6 53.Tee1 Te8 54.Th4 Te7
Nach ca. 10 weiteren wenig veraendernden Zuegen und bei fuer beide verbleibenden 3-4 Minuten bietet Helmut Remis, das ich natuerlich sofort annehme, da ich gar nichts Aktives spielen kann. Die anschliessende vielkoepfige Analyse kam zu keinem klaren Ergebnis. In der Realitaet waere es wohl ein reines Zeitnotgezocke geworden. Dazu kam es aber erst in der anschliessenden Schnellschachpartie, wo ich zuerst klaren Mittelspielvorteil wegwarf und in einem Endspiel mit Bauernrueckstand landete, aber dann einen einzuegig einstehenden Laeufer einsammeln konnte. 1/2-1/2